Fortsetzungsartikel auf der Basis eigener Ideen und Recherche —
„Stromsaboteure treffen sich in Tatortnähe, legen Erddepots an und flüchten mit dem Fahrrad“
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„Stromsaboteure treffen sich in Tatortnähe, legen Erddepots an und flüchten mit dem Fahrrad“

Letzte Aktualisierung: 31.05.2026, 14:35 Uhr (Vollmond)
Auf unseren ersten ︎︎︎Artikel vom 14./15. Mai 2026 wird zunächst verwiesen.
Thema: Brandanschlag auf kritische Strominfrastruktur im Süd-Westen Berlins vom 03.01.2026
Ermittler gehen davon aus, dass die Täter nach dem für die Szene typischen Muster vorgegangen sind.
Ein (Alternativ)szenario, das bislang womöglich nicht durchdacht wurde, ist die Anreise der Täter über den Wasserweg.
Für Januar undenkbar? Wir meinen nein.
Die Möglichkeit der Wasseranreise hängt von genauen Bedingungen und Umständen ab.
„Ich würde ja eiskalt mit dem Boot an- und abreisen“
Was dafür nötig bzw. vorauszusetzen ist:
- geräuschlose Elektroboote
-
führerscheinfahres Fahren
- Reisegschwindigkeit 6 bis 8 km/h
- keine AIS-Pflicht bzw. Signale
-
Boote ganzjährig verfügbar/zu mieten
- (noch) keine Eisbildung auf dem Wasser (wie nicht)
- keine Schleusen
- mehrtätige Miete ohne täglichen Rückkehrzwang (vermieterabhängig)
- Hafen als Zwischenableger (z.B. Bootsakku laden)
- Schutz der Dunkelheit
Der Tatort BEW Berliner Energie und Wärme GmbH, Heizkraftwerk Lichterfelde liegt direkt am Teltowkanal.
Um Schleusungen zu vermeiden, kommt nur die Anfahrt über die Dahme mit anschließender Einfahrt in den Teltowkanal in Betracht.
An der Dahme, ca. 2 km von der Einfahrt in den Teltowkanal entfernt, liegt ein Bootsverleih, der die genannten Voraussetzungen erfüllt. Wichtiger Hinweis: Eine Tatbeteiligung oder ein Mitwissen des Bootsverleihs wird hierdurch ausdrücklich nicht unterstellt. Es handelt sich um die Betrachtung eines hypothetischen Szenarios, das von einem fehlenden Mitwissen des Bootsverleihs ausgeht.
Möglicher Ablauf eines von uns durchdachten (Alternativ)Szenarios:
Im Vorfeld verbindlich zu klären ist die mehrtägige Anmietung eines geeigneten Elektroboots ohne die Verpflichtung zur täglichen Rückkehr in den Heimathafen an der Dahme. Eine solche Möglichkeit wird vom Bootsverleih jedenfalls nicht von vornherein ausgeschlossen und erscheint grundsätzlich mit Ziff. 1.2 der Allgemeinen Geschäftsbedingungen vereinbar: „Stellt der Mieter eine Anfrage per E-Mail oder per Telefon, so unterbreitet der Vermieter dem Mieter ein unverbindliches Vertragsangebot je nach Verfügbarkeit des gewünschten Bootes.“
Das Online-Buchungssystem sieht mehrtägige Anmietungen nicht vor, sodass eine individuelle Anfrage erforderlich wäre. Nach hiesiger Erfahrung werden entsprechende Möglichkeiten nicht öffentlich beworben und einzelfallbezogen geprüft. Auf Nachfrage vor Ort erfolgt kein kategorischer Ausschluss, sondern der Hinweis, dass eine Entscheidung erst nach schriftlicher Anfrage und Prüfung der konkreten Umstände getroffen werden könne.
Um Vertrauen aufzubauen, würde eine Koordinierungsperson eingesetzt werden, die vorgibt, mit der engen Familie eine mehrtägige Sightseeing- und Glühweintour auf dem Wasser unternehmen zu wollen (pro Tag 3 Stunden, verschiedene Orte; Akku wird selbständig geladen). Eine solche Anfrage bewegt sich im Rahmen dessen, was ein Bootsverleih typischerweise erwarten würde, und dürfte daher nicht weiter auffallen.
Das Ganze hat aus Sicht der Täter echten Abenteuercharakter und die Boote (metallisch-rough) sind dafür sowohl zweckmäßig als auch optisch reizvoll.
Parallel müsste ein Liegeplatz im Tempelhofer Hafen als Zwischenstation organisiert werden (mehrere Nächte, um zeitlich unauffällig zu bleiben).
Vom Bootsverleih an der Dahme bis zum Tempelhofer Hafen sind es ca. 13-16 Wasserkilometer; geschätzte Fahrzeit im Winter ca. 3-3,5 h.
Laut https://skipper.adac.de/ verfügt der Hafen über 40 Liegeplätze. Wichtige (erfüllte) Voraussetzung: Überwiegend direkter Stromanschluss am Steg. Außerdem: nachts nicht überwacht und auch nicht landseitig geschlossen.
Am Freitag, 02. Januar 2026 wäre das Elektroboot durch die Vertrauensperson in Besitz genommen und zusammen mit einer weiteren (vertrauenswürdigen) Person in den Tempelhofer Hafen gesteuert worden. Der Bootsakku wäre aufgeladen worden; Equipment zur Durchführung der Tat wäre jedoch noch nicht verstaut worden.
Vom Tempelhofer Hafen bis zum Tatort BEW Berliner Energie und Wärme GmbH, Heizkraftwerk Lichterfelde sind es ca. 8 weitere Wasserkilometer; die Anreisezeit müsste mit ca. 90 Minuten berechnet werden.
Gegen 06:00 Uhr am 03.01.2026 (Samstag) fiel infolge des Brandanschlags großflächig der Strom aus. Die Täter wären in dem hier betrachteten Szenario also gegen 05:30 Uhr am Tatort gewesen, was eine Abreise vom Tempelhofer Hafen spätestens gegen 03:45 bis 04:00 Uhr erforderlich gemacht hätte. Für die Tat notwendiges Equipment wäre erst am Morgen der Tat im Schutz der Dunkelheit in Sporttaschen auf das Boot verladen worden.
Ein Elektroboot, das praktisch nicht zu hören ist und auf den letzten Metern sogar ohne Licht fährt, wird auch aufgrund des dichten Gebüschs auf beiden Uferseiten nicht zu sehen sein und dürfte somit niemandem auffallen.
Dass die Täter ausgerechnet mit einem Boot anreisen könnten, erscheint (zunächst) derart fernliegend, dass selbst etwaige Sichtungen kaum mit den Geschehnissen am Tatort in Verbindung gebracht worden wären.
Nach Durchführung der Tat hätten sich die Täter vom Tatort eine begrenzte Distanz Richtung Schönow entfernt, um dort unauffällig anzulegen und vermeintlich ganz normalen Aktivitäten nachzugehen (inklusive erneutes Akkuladen). Als geeignete Orte hierfür erschienen unauffällige Buchten oder Liegestellen am Ufer. Dort hätte mutmaßlich die Möglichkeit bestanden, mehrere Stunden einen Zwischenstopp einzulegen, um sich erst am frühen Abend wieder in Richtung Tempelhofer Hafen zurückzubewegen. Nicht ganz risikolos, da bereits laufende Ermittlungsmaßnahmen erhöhte Aufmerksamkeit bedeuteten. Gleichwohl dürfte ein Spreeboot mit Kerzen und Beleuchtung auf den ersten Blick kaum negativ auffallen und eher den Eindruck einer gewöhnlichen Freizeitnutzung vermitteln.
Auch verbliebenes Restequipment hätte an einem unauffälligen Ort während des Zwischenstopps an andere Personen übergeben werden können, die als Helfer fungierten.
Die Rückkehr in den Tempelhofer Hafen würde voraussichtlich zwischen 19:30 Uhr und 20:30 Uhr erfolgen. Nach dem Anlegen bliebe das Boot zunächst über Nacht liegen; der Akku könnte erneut geladen werden. Am Folgetag (Sonntag, 04. Januar 2026) wäre eine Kontrolle des Bootes möglich; denkbar wäre außerdem ein kurzer Ausflug in die entgegengesetzte Richtung, bevor man erneut in den Tempelhofer Hafen zurückkehrte. Anschließend verbliebe das Boot für eine weitere Nacht (bis Montag, 05. Januar 2026) am Liegeplatz. Die Abholung könnte am späten Vormittag des 05. Januar erfolgen, gefolgt von der Rückfahrt zum Bootsverleih an der Dahme.
Berlin, am 31.5.2026 ©
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